Claude Cahun/“Je est un autre”.

Claude Cahun,1920.

Claude Cahun 1912 <lang en>Claude Cahun/ I is another.<lang en><lang de>Claude Cahun/“Je est un autre”.<lang de>Claude Cahun,1912.

claude-cahun-1915Claude Cahun,1915.

claude-cahun-1917Claude Cahun,1917.

claude-cahun-1925Claude Cahun,1925.

claude-cahun-1927Claude Cahun,1927.

claude-cahun-1929Claude Cahun,1929.

claude-cahun-ca-1929Claude Cahun,1929.

claude-cahun-1947Claude Cahun,1947.

Obwohl ich inzwischen viel Zeit gehabt habe mich mit mir bekannt zu machen, ist mein Wissen über mich doch bruchstückhaft. Ich könnte Ihnen viel über mein Leben erzählen, doch alles was Sie bekämen wäre allenfalls ein Verweis auf meine Person. Das Leben das ich führe, führt mich. Ich bin Gestalter meiner Biographie, und meine Biographie formt mich. So bin ich Subjekt und Objekt zugleich.
Es könnte einen Raum geben in der meine Freiheit als Handelnder wirklich ist. Doch ich kenne kaum die Regeln und Muster die mein Handeln bestimmen. So bleibt die meine Freiheit illusionär. Ich bin ich, doch wer ist ich?

Wir alle sind Regeln unterworfen, biologischen, biographischen und gesellschaftlichen, die unser Handeln und unser Sein bestimmen.

Ich bezweifle dass Cahun mir hier zustimmen würde. Ich greife hier auf ein Zitat von Laura Elkin zurück. Sie weiß mehr über Cahun als ich:

Her playacting amounts to a total rejection of identity—the self—for Cahun, is inherently multiple and mobile, recreated and reinvented from moment to moment, and gender is a mask which can be put on or taken off according to whim or necessity. We try to “delineate our roles,” she writes, “according to our changing moods. It is only after many attempts . . . that we can firm up the moulds of our masks.” We can firm up our identity, she suggests—but it will only ever be a mold, or a mask. Deeply influenced by Rimbaud, who declared that “Je est un autre” (”I is another”), Cahun replies, “Je est un autre—un multiple toujours”—”I is another—and always multiple.”

Dirk Snauwart schreibt in seinem Vorwort zum Katalog „Claude Cahun: Bilder.“

Ihre eindringlichsten Aufnahmen, auf denen sie mit sehr kurzen, gefärbten oder ganz abrasierten Haaren zu sehen ist, entziehen sich hingegen der Normierung und verstören in ihrer frontalen Direktheit. Sie nannte sie ihre „Monstrositäten“. Ihre sexuelle Identität ist darin undefiniert. Cahun bezieht sich dabei nicht auf die körperlichen Kennzeichen, sondern auf das Selbstbild, das sich in einer komplexen Relation zu den Erscheinungsformen selbst bestimmt.

Cahun hat sich der Einteilung in männliches oder weibliches Rollenverhalten, wie auch der gesellschaftliche Zuweisung von Kleidung und Frisur verweigert. Sie hat sich dem Gruppenzwang entzogen.

Männer bewegen sich männlich und ziehen sich niemals Röcke an. Frauen schwingen ihre Hüfte, tragen Stöckelschuhe, bestimmt aber wählen sie sich kein Äußeres, das so sehr dem gesellschaftlich für die Frau zugeschriebenen Schönheitsideal widerspricht. Das einfache Gedankenexperiment, mich in diesem offensichtlichsten Fall der gesellschaftlichen Normierung zu widersetzen, führt mich geradewegs zu von Angst besetzten Gefühlen.

Das was ist, erscheint uns als selbstverständlich.
Es könnte aber auch anders sein.



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