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Invariably photography has to point at something that can’t be seen.
And it must not show everything that is there to be seen.
Because otherwise – the obvious would hide the essential.

Stets muss die Fotografie auf das verweisen, was nicht zu sehen ist.
Und sie darf nicht alles zeigen, was zu fotografieren ist.
Denn sonst würde hinter dem Offensichtlichen das Eigentliche verloren gehen.

Zoltán Jókay, 2012

 

My project:

Mrs Raab wants to go home

will be shown from  4.12.2013 until 14.3.2014

at the Sprengel Museum Hannover.

Jippeee!

 

text by
Inka Schube

Kuratorin für Fotografie und Medienkunst, Hannover

Sorry, my English is not good enough to translate Inka Schube´s text:

Seit mehr als 25 Jahren setzt sich Zoltán Jókay (*1960)als Fotograf mit den Möglichkeiten und Grenzen zwischenmenschlicher Nähe auseinander. Noch als Student an der Universität/Gesamthochschule Essen findet er in der Serie remembering (1987–1993) zu Bildern, die vom Heranwachsen unter schwierigen Bedingungen und von ungestillter Sehnsucht nach Geborgenheit berichten. In Türrahmen, auf Stadtbrachen, an Straßenrändern und Ufern von Kiesgruben stehen diese Kinder und Jugendlichen in einsamen, selbstvergessenen Momenten. In vielen dieser Aufnahmen spricht die mitunter fast surreale Farbigkeit von intensiven unterschwelligen Emotionen; weich gezeichnete Hintergründe mildern die veristischen Härten. Ein im Bild abwesendes aber doch latentes Glückversprechend, das sich in der anteilnehmenden Aufmerksamkeit der Kamera begründet, gibt dieser Serie ihre poetische Kraft.

Über die Jahre hinweg bleibt Zoltán Jókay seinen Fragestellungen treu. Fotografieren ist stets auch Recherche in eigener Sache, ist Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten des Miteinanders als Essenz menschlicher Existenz. Die Bildform des Porträts bietet sich dafür an: Sie setzt eine Zweisamkeit, eine Begegnung voraus, in der eine quasi modelhafte Situation entsteht, die ihren Abdruck im Bild findet.

Serien wie encountering (1994–1999) oder growing up (2000–2003) extrahieren aus scheinbar beiläufigen Begegnungen ein facettenreiches Spektrum existenzieller zwischenmenschlicher Erfahrungen und Sehnsüchte. Zwar liegen die klassischen Porträtmuster wie etwa das stolz-aufrechte Sitzen oder Stehen stets unter diesen Bildern, doch führt Zoltán Jókay sie nicht wirklich aus.

Der Gestus der Selbstdarstellung eines sich als selbstbestimmt begreifenden
bürgerlich-emanzipierten Individuums ist in dieser Bildwelt – eingedenk der vielfachen Brüchigkeit solcher Inszenierungen – allerhöchstens in fragilen Erprobungen zu finden.Mrs Raab wants to go home, die jüngste Arbeit des Fotografen, thematisiert nun menschliche Sozialität aus der Perspektive größtmöglicher Einsamkeit. Seit 2007 arbeitet Zoltán Jókay in einer am Rande Münchens gelegenen Siedlung mit einkommensschwachen Bewohnern, anfänglich als Quartiers-, später als Demenzbetreuer in einem Altersheim. Umgeschult zur billigen Hilfskraft kümmert er sich um an Demenz leidende Menschen. Dass hier auch Fotografieren möglich sein würde, spielt anfänglich keinerlei Rolle. Diese Arbeit dient erst einmal schlichtweg dem Lebensunterhalt. Doch ist der Status der menschlichen Existenz als Rechengröße nirgendwo derart unvermittelt zu erfahren wie in der brutalen Ökonomie von Pflege und Betreuung. Die Menschen, denen Jókay hier begegnet, sind nur bedingt in der Lage, für sich und ihre Interessen einzutreten. Zu der Einbuße der persönlichen Autonomie und dem Verlust der eigenen vier Wände addiert sich der Verlust von Erinnerung. Was bleibt, ist Einsamkeit, die wohlstandsunabhängig sein mag, wohl aber jene, die sich Respekt und Achtung nicht zu kaufen vermögen, ohne jede Beschönigung trifft.

Zoltán Jókay reagiert auf diese Situation mit dem Bedürfnis, Würde und Individualität in ihrem unverbrüchlichen Sein dort sichtbar zu machen, wo die Umstände sie den Menschen, die er betreut, häufig verweigern. Nach zwei Jahren beginnt er zu fotografieren, und in den folgenden drei Jahren entsteht eine mehr als 60 Bilder umfassende Serie von ebenso magischer wie veristischer Poesie. In einem solchen Zusammenhang offenbart die Bild-Text-Kombination ihre besonderen Fähigkeiten: Eine von Krankheit und Alter gezeichnete Hand oder eine Rückenansicht, ergänzt um eine Textzeile, erzeugen einen poetischen Raum, in dem ein Moment der Empathie, die Ahnung einer Biografie und damit ein Gegenüber entsteht. Zwar scheint der Verlust von Erinnerung auch die Bilder zu löschen. Doch bilden die farbigen Gründe suggestive Projektionsflächen für den Reichtum gelebten Lebens. Nicht zuletzt daraus entwickeln die ebenso zarten wie kräftigen Bilder von
Mrs Raab wants to go home eine ebenso irritierende wie berührende Kraft.